Tipp 5 Handlungsbeginn und was ist von einem Prolog zu halten?
Ein Prolog ist ein Kapitel vor dem Anfang des Romans. Er beinhaltet vielleicht eine Episode aus der Vergangenheit, die uns die spätere Handlung besser verständlich machen soll. Oder er gibt eine Vorschau direkt ins spätere Geschehen, um uns neugierig zu machen.
Die Meinungen, ob ein Prolog noch zeitgemäß oder gar überflüssig ist, gehen sehr auseinander. Im Prinzip muss das jeder Autor selbst entscheiden, da sollte er sich auch nicht hineinreden lassen. Stephen King beispielsweise bedient sich hin und wieder eines Prologs, andere Erfolgsschriftsteller auch.
Aber: der Prolog sollte kurz gehalten sein. Er ist ein Leckerchen, das dargeboten wird, kein 5-Gänge-Menü.
Der Leser erwartet einen zügigen Start des Geschehens. Man bedenke, dass er die handelnden Figuren ja noch gar nicht kennt und ein Prolog deshalb in der Regel keine Emotionen in ihm weckt, sondern lediglich der Information dienen soll. Da genügen ein paar wenige Seiten. Je weniger, desto besser.
Es gibt die Meinung, dass der erste Satz eines Romans darüber entscheidet, ob der Leser das Buch kauft bzw. weiterliest (oder ein Verlag den Roman herausbringt). Das halte ich persönlich für Quatsch. Aaaaber: Innerhalb der ersten zehn Sätze sollte der Autor es schon geschafft haben, zumindest Neugier zu erzeugen und den Wunsch, weiterzulesen.
Natürlich gibt es genug Beispiele aus der Literaturgeschichte, wo auch ein langsamer Einstieg in den Roman funktioniert hat. Aber wir wissen nicht, wie viele Absagen von Verlagen der Autor kassiert hat oder wie lange er darauf warten musste, mit seinem Werk Erfolg zu haben. Manche aktuell erfolgreiche Autoren kommen auch damit durch, weil sie bereits einen bekannten Namen haben.
Dennoch: Wie alles auf dieser Welt unterliegen Vorlieben der Leser ebenso einem Wandel. Aber kaum einer kann sich deinem Text entziehen, wenn du gleich von Anfang an den Angelhaken ins Wasser hältst.
Ich persönlich bin raus, wenn ein Roman damit beginnt, dass eine Figur oder eine Umgebung, ein Raum usw. erst einmal ausführlich beschrieben wird. Ich habe ja noch keine emotionale Beziehung zu dieser Figur. Was interessiert es mich da, ob sie blaue oder grüne Augen, schmale Lippen oder große Ohrläppchen hat. Und was sie angezogen hat, interessiert mich da schon mal gar nicht, es sei denn, das hat etwas damit zu tun, was gleich passieren wird (wenn etwas passiert). Auch der Raum, in dem sie sich befindet, interessiert mich zu diesem Zeitpunkt nicht. Da genügt es mir, wenn ich weiß, sie steht in der Küche. Die Farbe der Fliesen ist da erstmal völlig uninteressant, denn jeder weiß, wie eine Küche aussieht.
Wenn der Autor mir für die aktuelle Handlung unwichtige Details beschreibt, bevor sie oder er endlich mal zu Potte kommt und irgendetwas passiert, was mir das Gefühl gibt, hier gerade nicht meine Zeit zu vergeuden, habe ich das Buch wahrscheinlich schon zur Seite gelegt. Meine Empfehlung entspringt daher meiner persönlichen Vorliebe: Lass es krachen! Wirf mir einen Brocken hin. Es muss nicht Mord und Totschlag sein, aber etwas, das ich so interessant finde, dass ich weiterlesen möchte.