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Tipp 23 Spezielle Tipps für Kurzgeschichtenschreiber


Ein Roman ist ja doch deutlich länger als eine Kurzgeschichte und unterliegt deshalb anderen Regeln. Meine Tipps speziell für Kurzgeschichten habe ich dir hier aufgeschrieben – wobei es nicht schaden kann, wenn du meine Tipps für Romane durchliest. So dieses oder jenes kannst du nämlich doch gebrauchen.

Für die Länge einer Kurzgeschichte gibt es keine eindeutige Definition. Die Übergänge zur Novelle oder Erzählung sind fließend. Dennoch erwartet der Leser in der Regel von einer Kurzgeschichte eine „kurze“ Unterhaltung. Das solltest du als Autor berücksichtigen.

Ich persönlich mag Kurzgeschichten, die zehn Buchseiten nicht überschreiten.

Das Wesen der Kurzgeschichte besteht darin, dass ich eine bestimmte Episode/ ein Ereignis im Leben meines Protagonisten beschreibe. Ich muss dazu seine Charakterzüge nicht bis ins feinste Detail ausarbeiten und auch zum Beispiel seine Vergangenheit muss ich nicht näher beleuchten. Ich kann ihn und den Leser in ein bestehendes Setting, eine vorhandene Situation, hineinwerfen und dann schauen, was daraus wird. Und genau das ist meine erste Empfehlung: schone Figur und Leser nicht, hau rein. So kannst du deinen Protagonisten mitten in einer Kampfszene erwischen, beim Öffnen eines fremden Tresors oder beim Liebesakt.  Je drastischer, desto besser, dann fesselst du den Leser gleich mit dem ersten oder zweiten Satz.

Bei Kurzgeschichten solltest du nicht lange um den heißen Brei herumreden und langatmig erklären, warum das und das passiert. Du musst auch keinen Spannungsbogen planen, wie beim Roman. Deine Kurzgeschichte sollte von Anfang an spannend sein oder zumindest (ungewöhnliche) Fragen aufwerfen, deren Beantwortung der Leser sich erhofft.

Zum Beispiel:

Vera wischte sich die Tränen von den Wangen.

Paul umarmte Edwin herzlich.

Sophia flüsterte: „Ich liebe dich“ und strich zart über Markos Grabstein.

Da ist man doch automatisch gespannt, wie es weitergeht.

Du kannst die Spannung selbstverständlich langsamer aufbauen. In der Regel findet aber der Höhepunkt der Story am Ende der Kurzgeschichte statt. Du baust also eine gleichmäßig ansteigende Kurve nach oben auf und lässt die Bombe am Ende platzen.

Deine Story muss glaubwürdig sein (deshalb ist es nicht verkehrt, wenn du meine dazugehörigen Tipps für Romane liest).

Bei einer Kurzgeschichte darf  allerdings im Gegensatz zum Roman auch kurz vor Schluss eine Person oder Sache ins Geschehen kommen, die bis dato nicht in Erscheinung getreten ist, und für eine überraschende Wendung sorgen. Denn genau das ist es, was ich von einer guten Kurzgeschichte erwarte: eine nicht absehbare Entwicklung/ Wendung. Das Erscheinen der Person oder der Sache sollte aber nachvollziehbar sein bzw. glaubwürdig erklärt werden.

Siehe hierzu auch meine Empfehlungen in Tipp 10, wie du eine Handlung drehen und dann, wenn der Aha-Effekt eingetreten ist, nochmal drehst und für den zweiten, größeren Aha-Effekt sorgen kannst.

Es gibt selbstverständlich kleine süße Kurzgeschichten, die zum Beispiel das Leben mit Tieren beschreiben oder mit Kindern, in denen der Autor nicht nach Effekten hascht. Das ist völlig in Ordnung. Es wird nur unter Umständen nach der dritten Story dieser Art etwas langweilig – Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber selbst bei Geschichten für Kinder weiß man den Aha-Effekt oder Lerneffekt zu schätzen, da solche Dinge für Impulse sorgen und zum Nachdenken anregen.

Zum guten Schluss möchte ich tatsächlich noch zum guten Schluss kommen. Den definiert jeder Leser für sich wohl anders. Wahrscheinlich hast auch du da deine eigenen Vorlieben.

Ich mag Enden, die für Emotionen sorgen. Schmunzeln, Lachen, Freude, Entsetzen oder Staunen auslösen. Gern mag ich auch, das Ende der Story so vorzubereiten, dass mehrere Deutungen möglich sind und der Leser seine eigene Fantasie bemühen kann oder soll. Da sind die Meinungen unterschiedlich und deshalb musst du ausprobieren, was dir liegt, was dir gefällt und was bei deinen Lesern am besten ankommt.

Letztendlich sollte die Geschichte dir aber selbst gefallen.