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Tipp 13 Wie kann ich mehrere Personen in relativ kurzer Zeit in meine Handlung einführen?


Du fragst dich jetzt bestimmt, warum ich das hier thematisiere, wo das doch ganz einfach ist, stimmts?

Man kann doch Anna, Berta, Auguste, Hannelore und Alfred einfach so auftreten lassen. Warum denn solche Umstände?

Fakt ist, dass der Leser sich zu viele und auch zu komplizierte Namen nicht merken kann. Bist du schon mal auf einer Party gewesen, hast jede Menge neue Leute kennengelernt und dann festgestellt, dass du dir die Namen nicht gemerkt hast?

Dann weißt du, wovon ich rede.

Ich unterscheide grundsätzlich, ob die betreffenden Personen nur einen Auftritt haben (also nur Staffage sind) oder mehrfach auftauchen, weil sie später eine größere oder auch nur eine kleine Nebenrolle innehaben.

Es gibt Szenen, in denen mehrere Personen zur Kulisse gehören. Da geht es gar nicht anders, ich brauche sie und muss sie irgendwie in die Handlung integrieren. Ob sie aber einen Namen brauchen, das steht auf einem anderen Blatt.

Beispiel:

Theodor band sich die Schürze um und trat hinter die Ladentheke, vor der schon einige Leute standen. Er sah die blonde Frau Müller, deren ebenso blonde Tochter Elfi, die brünette Frau Mussmann, die rothaarige Frau Kankel, die grauhaarige Frau Eibenholz, die schwarzhaarige Frau Kornblum und ihren Sohn Bert und ganz hinten den kahlen Herrn Krakebusch und dessen Frau, die allerdings nicht kahl war, sondern kurze dunkelgraue Haare hatte.

Von hinten kam nun auch Elfchen hinzu, die mit ihrer mehlbepuderten Nase ganz hinreißend aussah.

Puh. Findest du das auch so langweilig, wie ich?

Der Leser weiß bei dieser Aufzählung nicht, wer da eventuell im künftigen Geschehen eine Rolle spielt und liest drüber hinweg. Möglicherweise behält er Elfchen im Gedächtnis, die ich mit einer „mehlbepuderten Nase“ markiert habe. Und das genau ist der Trick. Ich markiere Personen und zwar so, dass sie einen Wiedererkennungswert haben. In meinem Beispiel habe ich allen eine andere Haarfarbe verpasst, aber das funktioniert natürlich nicht. Oder weißt du noch, welche Haarfarbe Frau Kornblum hat?

Die Markierung muss subtil sein, darf gern zur Illustration der Situation beitragen und soll, wenn die betreffende Figur doch noch irgendwann einmal auftaucht, gern als Erkennungsmerkmal dienen.

Hier die Szene nun noch einmal neu:

Theodor band sich die Schürze um und trat hinter die Ladentheke, vor der schon einige Leute standen. Ganz vorn stand eine Dame mit ihrer Tochter. Das war ganz unverkennbar, denn beide trugen die gleiche rotkarierte Jacke. Das kleine blonde Mädchen war unruhig, was auch der am nächsten stehenden Kundin auffiel, die ihr Gesicht angestrengt verzog. Theodor entsann sich, dass die Dame Mussmann hieß. Was für ein komischer Name, dachte er. Ob Frau Mussmann auch ab und zu mal musste? Theodor verkniff sich ein Kichern.

Während er die Dame mit der rotkarierten Jacke bediente, bemerkte er, dass die hinter Frau Mussmann stehenden Kundinnen miteinander flüsterten. Ob sie sich über ihn unterhielten? Wahrscheinlich musste er sich ihre Gesichter merken, falls sie öfter in den Laden kämen. Die eine hatte ein recht große Nase mit einem griechischen Höcker auf dem Nasenrücken. Die andere war ziemlich klein, fast zwergenhaft, dabei aber so breit, wie ein Bergarbeiter.

Von hinten kam nun auch Elfchen hinzu, die mit ihrer mehlbepuderten Nase ganz hinreißend aussah.

Um die Szene zu illustrieren, hätte es aus meiner Sicht genügt, mit Frau Mussmanns Vorstellung die Runde zu beenden und die Handlung fortzusetzen. Wir haben erfahren, dass Theodor etwas verkauft (vermutlich Backwaren, weil Elfchen ja irgendwie zu dem Mehl auf ihrer Nase gekommen sein muss). Die Dame und ihr Kind mit den rotkarierten Jacken sind reine Kulisse und unwichtig für das weitere Geschehen. Frau Mussmann könnte später noch einmal auftauchen. Sie habe ich mit dem Wortspiel markiert. Die beiden anderen namenlosen Damen habe ich mit einem auffälligen Äußeren gekennzeichnet. Vielleicht begegnet Theodor ihnen noch einmal auf der Straße und erinnert sich, dass sie bei ihm eingekauft haben. Wenn nicht, fliegen sie bei der Überarbeitung raus, da sie nur unnützer Ballast sind.

Also, bei mir bekommt nur die Figur einen Namen, die mehr als zweimal einen Auftritt hat.

Wer nur einen oder zwei Auftritte hat, wird markiert, indem ich ihm eine auffälligere Eigenschaft verpasse. Dafür genügt so etwas wie die Haarfarbe oder die Größe allerdings nicht, denn blonde oder schwarzhaarige und große oder kleine Menschen gibt es haufenweise.

So wird aus dem blonden Buchhalter Bruno Meier bei mir: der Buchhalter mit dem auffälligen Muttermal auf der Glatze. Aus Sekretärin Susi Seibelt wird die Sekretärin mit der schrillen Stimme, aus Frau Schnotzel mit den Locken wird die Frau, deren eines Auge etwas schief steht.

Das kann der Leser gut verkraften und die Story wird lebendig illustriert. Im Übrigen ist auch hier weniger mehr.

Lies hierzu gern auch Tipp 20.