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Tipp 1 Perspektive – durch wessen Augen erzähle ich meine Geschichte?


Ich überlege mir, aus welcher Perspektive ich meine Geschichte schreiben möchte. Aus der Ich-Perspektive? Aus der Perspektive des allwissenden (auktorialen) Erzählers? Oder ganz klassisch, aus der personalen Perspektive? Das sind die gängigsten.

Wenn du dir nicht sicher bist, schreib einen Probetext aus allen in Frage kommenden Perspektiven und entscheide dann.

Hier ein paar Beispiele:

Ich-Perspektive

Ich konnte mich nicht erinnern, jemals so schöne Augen gesehen zu haben. Mein Herz klopfte,  als hätte jemand die Bässe aufgedreht. Ihr Blick fuhr mir wie ein Blitz in die Eingeweide. Ich konnte mich nicht abwenden von ihr. Und sie sah mich einfach nur an.

Dies ist die Perspektive, die den Leser unmittelbar in das Innenleben deines Protagonisten (deiner Figur) entführt und über die erfahrenen Emotionen den Leser am besten fesselt. Der Leser ist quasi mittendrin im Geschehen. Aber … Du kannst nur aus der Perspektive dieser einen Person berichten. Du kannst das Geschehen nicht aus anderer Sicht beleuchten, dem Leser nicht erklären, warum eine andere Person in diesem Moment dieses oder jenes tut oder denkt.

Äußerlichkeiten zu beschreiben ist hier schwierig. Niemand wird denken, ach was habe ich doch für schöne Augenbrauen und meine Jeans sieht auch ganz neu aus.

Rückblenden sind ebenfalls begrenzt. Niemand wird denken, ach damals, als Oma immer noch die Brötchen selbst gebacken hat. Da hat sie immer echte Hefe genommen … – dieses Wissen ist ja im Kopf des Protagonisten drin und er wird das nicht gezielt denken, maximal einen Gedankenblitz haben.

Nur das, was deine Ich-Person sieht, fühlt, schmeckt, riecht und denkt, kannst du näher beschreiben. Denn nur das, was deine Person weiß oder bemerkt, kann sie dem Leser erzählen. 

Allwissende Perspektive

Jan konnte sich nicht erinnern, jemals so schöne Augen gesehen zu haben. Sein Herz klopfte. Es klang in seinen Ohren, als hätte jemand die Bässe aufgedreht. Der Blick der Frau fuhr ihm in die Eingeweide. Er konnte sich nicht abwenden.

Sie wusste dies ganz genau und sah ihn einfach nur an.

In dieser Perspektive erfahren wir, was in Jan vorgeht, aber auch das, was die Frau denkt. Der allwissende Erzähler weiß einfach alles, kennt die Vergangenheit, die Zukunft und das Innenleben aller auftretenden Figuren. Ein Nachteil dieser Perspektive ist, dass weniger Nähe zwischen dem Leser und den Figuren entsteht. Außerdem finde ich, nimmt es die Spannung aus dem Text, wenn ich als Leser unmittelbar weiß, was alle Beteiligten denken.

Personale Perspektive

Jan konnte sich nicht erinnern, jemals so schöne Augen gesehen zu haben. Sein Herz klopfte. Es klang in seinen Ohren, als hätte jemand die Bässe aufgedreht. Der Blick der Frau fuhr ihm in die Eingeweide. Er konnte sich nicht abwenden.

Sie schien dies zu wissen oder zumindest zu ahnen, denn sie sah ihn einfach nur an.

Die personale Perspektive beleuchtet das Fühlen und Denken einer bestimmten Person. Das hat den Vorteil, dass der Leser nicht sofort erfährt, welche Motive die zweite Person hat. Hier besteht Freiraum für Mutmaßungen und Überlegungen, die die Spannung erhöhen können. Außerdem kannst du die Außenwirkung des Protagonisten besser beschreiben

In dieser Perspektive fällt es auch leichter, zum Beispiel im nächsten Kapitel in die Haut der anderen Person zu schlüpfen und aus deren Perspektive zu schreiben.

Der Nachteil der personalen Perspektive besteht darin, dass sie nicht ganz so dichte und intensive Emotionen beim Leser erzeugt, wie die Ich-Perspektive.

Geübte Schreiber können verschiedene Perspektivarten innerhalb eines Romans verwenden. Wenn du das auch probieren möchtest, achte nur darauf, den Perspektivwechsel für den Leser klar abzugrenzen. Dies gilt natürlich ebenfalls für den Wechsel der Perspektive von Person zu Person.