Die Dornenvögel

Wer kann sich nicht an die Verfilmung dieses hinreißenden Romans erinnern? Liebten wir nicht alle Richard Chamberlain in der Rolle des Ralph de Bricassart? Haben wir nicht alle mitgelitten, weil diese unmögliche Liebe zwischen ihm und der Farmerstochter Meggie gleichzeitig so notwendig und unabdingbar erschien, wie sie unerreichbar war?
Der Autorin Colleen McCullough gelang mit „Dornenvögel“ der Durchbruch in der literarischen Welt – ganz zu Recht. Diese Familiensaga wurde 1977 veröffentlicht und ist immer noch sehr gut zu lesen. Nicht nur wegen der Liebe zwischen einem katholischen Priester und einer deutlich jüngeren Frau, sondern weil es der Autorin sehr gut gelang, die Zeit, in welcher die Handlung spielt, realistisch darzustellen. Es gelang ihr außerdem ausgezeichnet, ein vielschichtiges Bild der Gefühle der Beteiligten – insbesondere der des späteren Kardinals – zu zeichnen, ohne den Bruch des Zölibats anzuprangern.
Wovon handelt das Buch?
Meggie ist sieben Jahre alt, als ihre Familie nach Australien übersiedelt. Als einzige Tochter in einer Familie voller Söhne/ Brüder droht sie unterzugehen, denn das Leben ist hart und jeder muss seinen Teil dazu beitragen. Es ist daher kein Wunder, dass Pater de Bricassart das Mädchen zunächst voller Unschuld in sein Herz schließt. Die Autorin schildert das harte Leben auf der riesigen Ranch, die Meggies Tante gehört. Diese trifft – bereits im Sterben – eine Verfügung, die Ralph de Bricassarts Leben und Gefühle völlig auf den Kopf stellt. Ralph entscheidet sich für die Kirche, der fortan die Ranch gehört, verliert aber als Verwalter die Geschicke von Meggie und deren Familie nicht aus den Augen. Erst spät gesteht sich de Bricassart seine Gefühle für Meggie ein. Sein Kampf gegen die vermeintlichen Dämonen wird von der Autorin ebenso realistisch geschildert, wie Meggies Empfinden.
Erst nach dem viel zu frühen Tod von Meggies Sohn Dane erfährt de Bricassart, dass es sich um sein Kind handelt und zerbricht daran.
McCullough gießt das Geschehen in den Rahmen einer Familiensaga. Sie schildert einzelne Nebenzweige, die sich mit den anderen Familienmitgliedern beschäftigen. In Teilen zerfasert sie sich dort ein bisschen, denn die Handlung ist insgesamt eher darauf ausgelegt, die Beziehungen der stärksten Figuren zueinander (de Bricassart, Meggie, deren Eltern) zu schildern. Alle Nebenfiguren, einschließlich Meggies Brüder und der langjährigen Bediensteten usw. kommen uns emotional nicht so nahe, als dass uns deren Schicksal deutlich interessiert. Hier hätte man den 650 Seiten langen Roman etwas kürzen können – es wirkt jedoch nicht störend.
Ich kann sowohl das Buch als auch den Film empfehlen, da dieser sich eng an die Romanvorlage gehalten hat und daher auch heute noch hervorragende Kost für romantisch veranlagte Herzen darstellt.