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Einsamkeit – Teil 1
In meiner seelsorgerischen Praxis begegnet mir das Thema Einsamkeit regelmäßig und oft, deshalb möchte ich heute etwas dazu schreiben.
Per Definition bezeichnet der Begriff „Einsamkeit“ vor allem eine wahrgenommene Diskrepanz zwischen den gewünschten und den tatsächlich vorhandenen sozialen Beziehungen eines Menschen. Dabei ist zu beachten: Einsamkeit ist etwas anderes, als Alleinsein.
Alleinsein kann reinigend, kraftspendend und motivierend wirken. Oft suchen wir uns diese Phase selbst aus, begeben uns beispielsweise ins Kloster oder suchen die Ruhe in der Natur, um nachdenken zu können. Wir wissen, dass wir dieses Alleinsein jederzeit unterbrechen und wieder Kontakt mit anderen Menschen aufnehmen können. Stehen wir in unserem Leben an einem Scheideweg, suchen wir gern das Alleinsein, um uns zu sortieren und neu durchstarten zu können. Dann tut uns das Alleinsein gut.
Einsame Menschen hingegen hadern mit dem Alleinsein, dem Fehlen sozialer Kontakte. Einsamkeit kann krank machen, kraftzehrend und deprimierend sein. Und es betrifft alle Altersklassen und Geschlechter.
Im Lauf der Zeit habe ich gelernt, zu unterscheiden, welche Menschentypen es gibt, die mit der Einsamkeit zu kämpfen haben. Diejenigen, die zwar unglücklich mit ihrer Situation sind, sich jedoch regelrecht weigern, aktiv etwas daran zu ändern. Obwohl ihnen die ganze Welt offensteht und es praktisch keine Hindernisse gibt, die zwischen ihnen und anderen Menschen stehen. Und diejenigen, die aus den verschiedensten Gründen einsam sind und aus ebenso vielen Gründen nicht wissen, wie sie ihre Einsamkeit beenden können, obwohl sie es sich sehr wünschen.
Bei manchen ist die Einsamkeit zeitlich begrenzt oder situationsbezogen. Jeder kennt bestimmt das Gefühl, auf einer Party zu sein, wo sich niemand um einen kümmert und man keinen Anschluss findet. Oder es geht uns nicht so gut und wir wünschen uns, dass jemand das wahrnimmt und wenn dies nicht passiert, fühlen wir uns einsam. Und Einsamkeit kann sehr weh tun.
Zeit verschenken
In meiner neuen Geschichte „Glühweinzauber“ habe ich etwas verarbeitet, was mir in Anbetracht all der Menschen, die geschäftig die Weihnachtstage vorbereiten und dafür sorgen, dass der Gabentisch auch ja nicht leer bleibt, immer häufiger verloren zu gehen scheint: Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit, auch für die Nöte anderer.
Ja, uns erreichen gerade zur Weihnachtszeit viele Spendenaufrufe und manchem kommen wir auch nach. Ich spende regelmäßig für SOS Kinderdorf, für meinen Tierschutzverein und kürzlich habe ich Tasso e.V. eine Spende überwiesen. Auch unsere neue Anthologie (siehe Bild), für die zahlreiche Autoren ihre Geschichten und die Einnahmen spenden, ist gerade erschienen und bedenkt in diesem Jahr den Oldenburger Straßenengel e.V., der sich um Obdachlose kümmert.
Aber das meine ich nicht, wenn ich schreibe, dass die Aufmerksamkeit für die Nöte anderer meiner Meinung nach zu kurz kommt. Mit Erschrecken habe ich kürzlich gesehen, was Eltern und Großeltern für Berge aus einem Spielzeugladen herausgeschleppt haben. Es war der reine Wahnsinn! Und was in den Körben lag… In Plastik eingepacktes Plastikspielzeug, teuer, pädagogisch unnütz und schon gar nicht nachhaltig. Schon unsere Kleinsten werden zu Konsumenten erzogen, denen das Plastikding (für den Moment) wichtiger ist, als Zwischenmenschliches. Oder glaubt ihr, dass auch nur 1 Prozent der Kinder, die so maßlos beschenkt werden, mal eine Suppenküche von innen gesehen oder einen einsamen Menschen im Altersheim besucht hat?
Hab dich nicht so! Das ist doch alles gar nicht so schlimm! Reiß dich zusammen! Das wird schon wieder! Anderen geht es noch schlechter! Das ist nur eine Phase! Du packst das schon! Du bist doch stark! Sei ein Mann! Sei erwachsen!
Die Liste solcher Sätze könnte ich noch fortsetzen, aber hier genügt es, sie als Beispiel zu nehmen. Als Beispiel wofür?
Alle diese Sätze sind Ausdruck von Hilflosigkeit. Derjenige, der sie sagt, fühlt sich in diesem Moment überfordert, weiß nicht, wie er reagieren soll, kann mit der Situation nicht umgehen, ist schlichtweg hilflos, meist ohne sich das eingestehen zu wollen.
Alle diese Sätze sind sehr menschlich, aber bei genauer Betrachtung verletzend. Und kein einziger davon hilft demjenigen, der da grad ermuntert oder getröstet werden soll.
Warum ist das so?
Stellt dir vor, du trauerst oder dir geht es schlecht. Da hast du das ganz natürliche Bedürfnis, dir Trost zu suchen, darüber zu sprechen und damit die Last, die du verspürst, etwas zu teilen. Würde dir einer dieser Sätze oben helfen, dich trösten oder machen, dass es dir besser geht? Nein?
Genau.
Enttäuschungen
Enttäuschungen sind etwas, das unter Umständen sehr schmerzen kann. Jeder kennt das Gefühl, wenn etwas, das man sich sehr wünscht, nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hat.
Ja, was man sich so vorstellt…
Ich hatte zum Beispiel immer die Vorstellung, dass Mütter sich (grundsätzlich) für ihre Kinder und deren Wohlergehen interessieren müssten. Ihr doch auch, oder?
Bei den meisten Müttern ist dies sicher der Fall. Leider kenne ich einige Menschen, bei denen die Vorstellung jedoch nicht an die Realität anknüpfen konnte. Auch ich habe in diesem Punkt schmerzliche Erfahrungen gemacht.
Oder wir stellen uns vor, dass unsere Freunde oder auch die eigenen Kinder bei Bedarf und in Notzeiten für uns da sind und erfahren dann im Zweifelsfall, dass wir keine Hilfe von ihnen erwarten können. Habt ihr so eine Situation auch schon kennengelernt?
Was Sammelwut mit Angst, Einsamkeit und Trauer zu tun hat
Vor Kurzem sah ich eine Folge der Sendung „ Der Trödeltrupp“. Wer sie nicht kennt – der Trödeltrupp wird gerufen, wenn Leute sich Haus und Hof vollmüllen mit Dingen, die die Welt (vermutlich) nicht braucht. Was wird da nicht alles gesammelt. Vom Schlumpf bis zum Stuhl, dem ein Bein fehlt, vom Wandteller bis zum Eimer, in dessen Boden sich ein Loch befindet. Man könnte ihn ja noch einmal gebrauchen. „Der Trödeltrupp“ soll wieder für Ordnung sorgen und das ist, wenn man nur zusieht und nicht mitentrümpelt, ganz unterhaltsam, Kopfschütteln inklusive.
Aber warum sammeln Menschen Dinge?
Zum einen, weil sie etwas besonders schön finden oder hoffen, dass dessen Wert im Laufe der Jahre steigt und sie damit einen Gewinn erzielen können. Zum anderen, weil sie denken, sie könnten bestimmte Dinge reparieren und wieder gebrauchsfähig machen – kein schlechter Gedanke, wenn wir an unsere Wegwerfgesellschaft denken. Meist klappt es dann aber doch nicht mit der Reparatur und das „Ding“ wandert in eine dunkle Ecke oder verschwindet unter dem nächsten Sammelstück. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Erinnerungen und Rituale
Neulich habe ich mit Lesern und befreundeten Autorinnen und Autoren das Thema „Erinnerungen“ diskutiert. Wir waren uns einig, dass viele (frühe) Erinnerungen mit Gerüchen, Geräuschen/ Musik oder bestimmten Gegenständen verknüpft sind beziehungsweise durch diese reaktiviert werden. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sind Kinder frühestens ab einem Alter von 18 Monaten in der Lage, Erinnerungen zu speichern – dies meist nur sehr bruchstückhaft. Etwa ab einem Alter von 4 Jahren können sie Erlebtes so speichern, dass es später abrufbar ist. Wir erinnern uns an bestimmte Spielzeuge, mitunter an Menschen, die eine wichtige Rolle für uns gespielt haben oder an Orte, die wir häufig aufsuchten. Da das kindliche Gehirn noch nicht „fertig“ ist, sind auch diese Erinnerungen oft nur bruchstückhaft vorhanden oder erscheinen wie in einem Nebel. Manche Details fügen wir später hinzu, weil sie uns erzählt wurden – daraus bilden wir mit der Zeit eigene Erinnerungen.
Menschliches und Tierisches
Gute Nachrichten für alle Leser, insbesondere die Liebhaber von Geschichten, in denen Tiere eine Hauptrolle spielen: die neue Kurzgeschichtensammlung „für den guten Zweck“ ist da. Die Erlöse gehen dieses Mal an das Kinderhospiz Sternenbrücke. Am Ende dieses Beitrags gibt’s ein Lesepröbchen von einer meiner Geschichten. Zwei habe ich bei dieser Aktion für den guten Zweck gestiftet und vielleicht bekommt ihr ja Lust, das Buch zu erwerben und damit Gutes zu tun?
Die Kurzgeschichtensammlung oder auch Anthologie mit dem Namen „Flügel, Pfoten, Spinnenbeine …“ wurde nicht nur mit kostenlos zur Verfügung gestellten Geschichten gefüttert, sondern auch Organisation, Buchsatz, Korrektorat, Lektorat und Cover haben keine Kosten verursacht, sondern wurden von engagierten Menschen geleistet und zur Verfügung gestellt. Lediglich die Druck- und Vertriebskosten fallen an, der Rest fließt dem Kinderhospiz zu.
Wir hoffen auf viele Unterstützer/ Buchkäufer, damit sich die ganze Arbeit gelohnt hat.
Das Kinderhospiz besteht seit 2003 und kümmert sich um todkranke Kinder und deren Eltern und Geschwister. Einen Großteil der Pflegekosten für die erkrankten Kinder zahlen zwar die Kranken- und Pflegekassen, aber das ist nicht genug. Natürlich möchten die Familienangehörigen ihrem kleinen Sorgenkind beistehen, ihm schöne Stunden bereiten, bei ihm sein und auf diese Weise Abschied nehmen und durch die schwere Zeit begleiten. Dass für Unterbringung usw. Kosten entstehen, ist wohl klar, jedoch sollen die Familien das nicht spüren. Dafür werden Spendengelder aufgewendet. Das Kinderhospiz bietet aber nicht nur Unterkunft und Pflege, sondern auch Trauerbegleitung sowie Therapieangebote. Hier sind viele Ehrenamtliche engagiert, so dass die Spenden direkt den betroffenen Familien zu Gute kommen.
Ich war bei dieser Aktion gerne dabei und werde euch natürlich berichten, wenn wieder eine meiner Geschichten für einen guten Zweck auf die Reise geht.
Hier nun das versprochene Lesepröbchen: