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#Einsatzmeinsatz


#einsatzmeinsatz motiviert mich

Am 6. April feierte mein Unfall seinen Jahrestag. Was macht man da? Mitfeiern, traurig sein, heulen, auf ein Kissen eindreschen, weil auch nach so langer Zeit die körperlichen Beeinträchtigungen noch so umfangreich sind?

Ich habe mich entschieden, mitzufeiern – denn schließlich hätte es noch schlimmer kommen können. Alle Körperteile sind noch dran, ich habe das Ganze seelisch einigermaßen verarbeitet und vor allem, ich kann nun wieder nach vorne blicken.

Etwas traurig war ich dennoch. Mein Roman „Der Flügelschlag des Kolibris“  sollte bis August letzten Jahres fertig sein. Der Spruch „Und erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt“, den meine liebe Oma immer bei der Hand hatte, hat nach wie vor seine Daseinsberechtigung. Ich musste mich ein Jahr lang mit anderen Dingen beschäftigen. Gesund zu werden oder zumindest wieder soweit in Ordnung zu kommen, dass ich die Situation akzeptieren kann, kostet unheimlich Kraft. 29 Reha-Wochen habe ich absolviert, mit vielen Hindernissen kämpfen müssen und da blieb für mein Projekt weder Zeit noch Muße. Wer selbst schreibt, weiß, dass man für Kreativität einen freien Kopf braucht. Und den hatte ich einfach nicht.


Als ich meinen „Kolibriordner“ öffnete und als letztes Speicherdatum den 5. April 2022 sah, ahnte ich es bereits. Vieles von dem, was ich damals geschrieben habe, war mir fremd. Das letzte angefangene Kapitel trug die Überschrift „Das Geheimnis“. Inzwischen kann ich drüber lachen. Das Geheimnis wird wohl tatsächlich eins bleiben. Ich habe keinen Schimmer mehr, was ich damals dazu schreiben wollte. Gedanklich wieder anzuknüpfen an das, was ich bereits geschrieben habe, wird oder ist eine Herausforderung, das merke ich deutlich.

Etwa ein Drittel meines Romans ist ja fertig – die schöne Nachricht ist, dass mir das bisher Geschriebene noch gut gefällt. Meine beiden Hauptcharaktere sind mir immer noch sympathisch und der Bösewicht, na klar, ist immer noch der Bösewicht. Den Rest muss ich mir neu erarbeiten. Das wird nicht einfach, ich muss erst wieder in den Schreibfluss kommen.

Deshalb habe ich mir vorgenommen, von jeder Schreibsession auf Instagram den letzten Satz unter #einsatzmeinsatz zu posten. Ich denke, dass mich das motiviert, weiterzumachen und auch kleine Schreiberfolge zu würdigen. Sicher wird nicht nur der August 2023 verstreichen, ohne dass mein Buchbaby das Licht der Welt erblickt. Naja, dann wird es eben ein bisschen später. Eins habe ich durch meinen Unfall gelernt: Genieße den Tag, tu, was dir gefällt – das Leben kann morgen schon ganz anders sein.